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Treibende Kräfte auf dem Hohen Wald

Vom Leibeigentum bis zum selbstbestimmten sozialen Auf­stieg: Das Leben und Arbeiten der Menschen im Hoch­schwarzwald ist von zunehmender Emanzipation bestimmt

Donaueschingen/Eisenbach/Trossingen – Sehr anschaulich, in bildhafter Sprache und teils mit Anekdoten untermalt schilderte Pro­fessor Friedemann Maurer jetzt bei seinem Vortag „Im Räderwerk der Zeit – Handwerkliche Traditionen auf dem Hohen Wald und die Rolle der Eisenbacher Unternehmer Morat“ unter welchen Voraussetzun­gen die Menschen in der Region um Thurner und Kalte Herberge ihr Leben gestalten und ihr Auskommen sichern mussten. Über die Jahr­hunderte hinweg, so Maurers These, lasse sich die Entwicklung als ein Prozess zunehmender Emanzipation der Menschen beschreiben, der schließlich zur Herausbildung einer einzigartigen, noch heute vor­herrschenden Industriekultur auf dem Hohen Wald geführt habe.

Maurer skizzierte die geschichtlichen Epochen, die der Hoch­schwarzwald durchlaufen hat, von der Kolonialisierung unter der Re­gie der großen Benediktiner-Klöster über die gestaltenden Einflüsse der Feudalherrschaft, das aus der Not geborene Aufkommen von Hausgewerbewesen und Hausierertum bis zur Entstehung des Uh­rengewerbes als Wurzel der feinmechanischen Industrie. Der ent­scheidende Übertritt in die persönliche Freiheit habe sich, führte Maurer bei seinem Vortrag in der Wolfwinkelhalle Eisenbach anläss­lich des 150-jährigen Firmenjubiläums von IMS Gear aus, im bürgerli­chen Zeitalter des 19. Jahrhunderts angekündigt: „Die industrielle, immer stärker wissensgetriebene Arbeitsgesellschaft ermöglichte es den Menschen auf dem Hohen Wald, durch eine qualifizierte Ausbil­dung aufzusteigen und ihr soziales Los durch Leistung und Kreativität mitzugestalten“. Die Geschichte der Unternehmerfamilien Morat aus Eisenbach sei ein Lehrbeispiel für einen solchen Aufstieg aus eigener Kraft, durch Lernfähigkeit und Leistungsvermögen über mehrere Ge­nerationen hinweg. Johann Morat, der mit einer feinmechanischen Werkstatt 1863 den Grundstein für den heutigen Zahnrad- und Ge­triebespezialisten IMS Gear gelegt hat, sei zum Begründer einer neuen industriellen Branche im Werkzeug- und Maschinenbau ge­worden und zähle damit zu den Pioniergestalten der modernen In­dustrie, so Friedemann Maurer.

Maurers Vortrag speiste sich aus dem Buch „Treibende Kräfte – Vom Leben und Arbeiten auf dem Hohen Wald“, das zum 150-jährigen Firmenjubiläum von IMS Gear erschienen ist.

Das Buch

Friedemann Maurer: Treibende Kräfte – Vom Leben und Arbeiten auf dem Hohen Wald; 1. Auflage 2013, Jan Thorbecke Verlag; ISBN: 978-3-7995-0513-0; € 24,90

Als Streifzug durch die regionale Kultur- und Wirtschaftsgeschichte angelegt, ist das Buch zum 150-jährigen Firmenjubiläum vom IMS Gear er­schienen.

Der Referent und Autor

Professor Friedemann Maurer, 1940 in Hausen ob Verena geboren, lehrte als Ordinarius für Pädagogik an den Universitäten Braun­schweig, Tübingen und Augsburg sowie als Gastprofessor in Tübin­gen und Pittsburgh (USA). Großes Renommee hat er sich auch als Vorsitzender der Kunststiftung Hohenkarpfen und Autor landesge­schichtlicher Publikationen erworben.

Das Unternehmen

Der international aufgestellte Zahnrad- und GetriebespeziaIist IMS Gear beschäftigt weltweit über 2000 Mitarbeiter, rund 1500 davon an seinen deutschen Standorten in Donaueschingen, Eisenbach und Trossingen. IMS Gear geht zurück auf das 1863 in Eisenbach ge­gründete Unternehmen „Johann Morat & Söhne“ und feiert in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen.

Anlagen:

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Bildtext: Der Referent und Buch­autor Professor Friedemann Maurer (Mitte) mit den IMS Gear-Geschäftsführern Wolfgang Weber (links), Bernd Schilling (2. von links) und Dieter Lebzelter (2. v. rechts) sowie Eisenbachs Bür­germeister Alexander Kuckes.  Bild: IMS Gear

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Bildtext: Beleuchtet die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte des Hochschwarzwalds bei seinem Vortrag in der Wolfwinkelhalle Eisenbach anlässlich des 150-jährigen Firmenjubiläums von IMS Gear: Professor Friedemann Maurer. Bild: IMS Gear

Foto 2013-10-18_IMS_Gear_3 (JPG)
Bildtext: Interessierte Zuhörer in der Wolfwinkelhalle Eisenbach bei der Vortragsveranstaltung „Im Räderwerk der Zeit – Handwerkliche Traditionen auf dem Hohen Wald und die Rolle der Eisenbacher Unternehmer Morat“ anläss­lich des 150-jährigen Firmenjubiläums von IMS Gear. Bild: IMS Gear

IMS_Gear_PI_2013-10-18 (DOCX)

IMS_Gear_PI_2013-10-18 (PDF)