28.08.2020

IMS Gear nimmt einen harten Einschnitt vor

 

Nach Abschluss der Verhandlungen zwischen Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertretern steht fest: Um notwendige Kostenanpassungen zu erzielen, kommt das Unternehmen um einen betriebsbedingten Stellenabbau zwar nicht herum, er fällt aber deutlich niedriger aus als ursprünglich prognostiziert.

 

Donaueschingen/Eisenbach/Trossingen/Villingen-Schwenningen – Um seine Kostenstruktur an die aktuelle Marktsituation anzupassen und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens sicherzustellen, hatte der Zahnrad- und Getriebespezialist IMS Gear im Mai einen betriebsbedingten Abbau von bis zu 350 Arbeitsplätzen an seinen deutschen Standorten angekündigt. Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertreter sind im Juni in Verhandlungen eingestiegen. Diese Gespräche sind jetzt abgeschlossen, die Ergebnisse in verbindliche Vereinbarungen gegossen. Wie das Management, der Betriebsrat und die Industriegewerkschaft Metall (IG Metall) jetzt gemeinsam mitteilten, fällt der betriebsbedingte Arbeitsplatzabbau mit 144 Stellen deutlich geringer aus als prognostiziert. Mit Blick auf die Sozialverträglichkeit setzt das Unternehmen zudem auf die einvernehmliche Beendigung von Arbeitsverhältnissen in Kombination mit angemessenen Abfindungsregelungen und bietet allen vom Stellenabbau betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Übergang in eine Transfergesellschaft an.

„Das Ziel unserer Verhandlungen war es, unsere Kostenstruktur an die geänderte Marktsituation anzupassen. Es galt, die Personalkosten um 25 Millionen Euro zu reduzieren, was rein rechnerisch einem Abbau von bis zu 350 Stellen entsprochen hätte. Dabei mussten wir einerseits sicherstellen, dass die Kernkompetenzen von IMS Gear und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens – Stichworte: tiefes Entwicklungs-Know-how, eine große Fertigungstiefe, Prozesskompetenz und Internationalisierung – erhalten bleiben. Andererseits sollte der unvermeidliche Stellenabbau möglichst sozialverträglich ausfallen“, erklärt IMS Gear-Vorstand Wolfgang Weber. Dieser Interessenausgleich sei, so Weber weiter, mit den zwischen Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertretung getroffenen Vereinbarungen gewährleistet.

Das bestätigt der IMS Gear-Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Harter: „IMS Gear bewegt sich derzeit in einem schwierigen konjunkturellen Fahrwasser und muss wieder stabil auf Kurs gebracht werden. Dennoch war es unsere feste Absicht, möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern, den Stellenabbau auf ein absolut erforderliches Minimum zu reduzieren und soziale Härten weitestgehend auszuschließen. Das ist uns, denke ich, gelungen.“

Ähnlich beurteilt auch IG Metall-Gewerkschaftssekretär Franz Ritter das Verhandlungsergebnis: „Aus Gewerkschaftssicht fällt es natürlich immer schwer, einen Stellenabbau mitzutragen. Das Unternehmen befindet sich aber zweifellos in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. Insofern haben wir mit den jetzt getroffenen Vereinbarungen das Maximum im Sinne der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herausgeholt.“ Die IG Metall habe, so Ritter weiter, bei den Gesprächen insbesondere darauf gedrungen, eine Transfergesellschaft ins Leben zu rufen, um vom Stellenabbau bei IMS Gear betroffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern möglichst schnell, zielgerichtet und nachhaltig in neue Arbeitsplätze vermitteln zu können.

Weber, Harter und Ritter ließen durchblicken, dass bei den Verhandlungen phasenweise sehr hart und kontrovers diskutiert wurde, die Gespräche aber von vornherein in konstruktiven, sachlich geprägten Bahnen verlaufen und von gegenseitiger Wertschätzung geprägt gewesen seien.

„Wir legen großen Wert darauf, die vom Stellenabbau betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im persönlichen Gespräch zu informieren und mit den Optionen, die ihnen jetzt offenstehen, vertraut zu machen“, betonen die beiden IMS Gear-Personalleiter Benedikt Lenhart und Kristin Schäkel. Diese Gespräche sollen bis Ende September abgeschlossen sein. „Wir haben“, so Lenhart und Schäkel weiter, „gemeinsam mit dem Betriebsrat alles darangesetzt, bei der unvermeidlichen Reduzierung der Arbeitsplätze die Größenordnung des betriebsbedingten Stellenabbaus zu minimieren.“ Tatsächlich werde die Mitarbeiterzahl an den deutschen Standorten von rund 2.000 im Mai dieses Jahres auf künftig rund 1.700 sinken.

Hintergrund

Die seit mittlerweile gut zwei Jahren anhaltende konjunkturelle Abkühlung in der Automotive-Branche hat sich auch bei IMS Gear niedergeschlagen: „Wir mussten im Jahr 2019 einen Umsatzeinbruch von 80 Millionen Euro verkraften, unser Budget hat sich von ursprünglich geplanten 580 Millionen Euro auf 500 Millionen Euro reduziert. Diese Belastung konnten wir mit einem Kostenprogramm jedoch teilweise kompensieren. Was die Umsatzentwicklung für das Jahr 2020 anbelangt, sind wir zunächst vorsichtig optimistisch von einer im Vergleich zum Vorjahr leichten Steigerung von 500 Millionen auf rund 520 Millionen Euro ausgegangen. Dann hat uns die Corona-Pandemie mit voller Wucht getroffen, weshalb wir für das laufende Jahr nicht mit einem leichten Wachstum rechnen können, sondern müssen einen erneuten Umsatzeinbruch mit einem Volumen von zirka 90 Millionen Euro verkraften müssen. Unser Jahresumsatz wird sich in einer Größenordnung von höchstens 430 Millionen Euro bewegen und wir werden einen hohen Jahresverlust verzeichnen“, erklärt IMS Gear-Vorstand Dieter Lebzelter. „Um IMS Gear auch weiterhin auf einer gesicherten finanziellen Basis und dauerhaft wettbewerbsfähig zu halten, müssen wir unser Unternehmen wieder in eine Struktur überführen, die dieser Umsatzentwicklung entspricht und Kosteneinsparungen in einer Größenordnung von mindestens 35 Millionen Euro erzielen. Davon entfallen rund 25 Millionen Euro auf Personalkostenanpassungen in Deutschland“, so Lebzelter weiter.

Mit den jetzt erfolgten harten Einschnitten habe das Unternehmen die Weichen dafür gestellt, in den Jahren ab 2021 wieder einen – wenn auch zunächst moderaten – Wachstumskurs einzuschlagen, blickt IMS Gear-Vorstand Bernd Schilling in die nähere Zukunft.

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